125 Jahre Veteranen- und Soldatenverein Aufkirch-Blonhofen - Ansprache zum Festakt im Jahr 2010

 

Am heutigen Festakt blickt der Veteranen- und Soldatenverein Aufkirch-Blonhofen auf eine 125-jährige Geschichte zurück, die am 15. November 1885 mit der Gründung des „Veteranen- und Kriegervereins“ schon damals als gemeinschaftlicher Verein für die damals selbständigen Gemeinden Aufkirch und Blonhofen begann.

Schon zu seiner Gründung - im Lichte der Euphorie des gewonnenen deutsch-französischen Krieges 1870/71 und der daraus resultierenden Reichsgründung - stand die Gründung des Vereins nie unter dem Stern der Verherrlichung oder Verklärung des Krieges.

Die 95 Gründungsmitglieder hatten sich in der Gründungssatzung neben der Treue zu König, Kaiser und Vaterland, der Fortsetzung der kameradschaftlichen Verhältnisse der Veteranen, Krieger und Soldaten auch im späteren Zivilleben insbesondere auch die Unterstützung hilfsbedürftiger aktiver Kameraden, die Hilfe bei Krankheits- und Unglücksfällen zur Aufgabe gemacht.

Die Vereinsgründung stand also vor einem deutlichen sozialen Hintergrund in dem die Vereinsmitglieder für die Kameraden mit denen sie im Krieg Seite an Seite gekämpft und sich auf sie verlassen hatten, ein soziales Netz schufen.

Des Weiteren setzten sich die Gründungsväter die „Begehung eines alljährlichen Gedenkgottesdienstes für die im Feld gefallenen Krieger und aller mit Tod abgegangener Vereinsmitglieder“ sowie die Begleitung verstorbener Vereinskameraden auf ihrem letzten Gang zum Ziel. Dabei legt die Satzung fest, dass bei den „gegebenen Veranlassungen soll ein längeres Zechen in den Wirtshäusern so wie überhaupt jede Auslage auf Kosten der Hinterbliebenen an Leichenbegräbnissen auf das strengste vermieden werden.“

Einen eigenen Paragraphen der Gründungssatzung widmeten die Mitglieder der Anschaffung einer Vereinsfahne als „eine der ersten Bestrebungen des Vereins“. Dazu wollte man aus der Gemeinde Spender und Gönner suchen die dieses „schöne Unternehmen“ unterstützen. Die Beschaffung einer Vereinsfahne hatte gemäß Satzung sogar Vorrang vor der Unterstützung hilfsbedürftiger Kameraden.

Bereits ein Jahr später wurde dieser §6 der Gründungssatzung wieder gegenstandslos, denn mit der Weihe der ersten Vereinsfahne im Jahr 1886 kamen diese Bestrebungen bereits zu einem erfolgreichen Abschluss. Schon damals erwiesen sich die Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde als großzügig und spendenfreudig. Insgesamt brachten sie 979 Mark für die neue Vereinsfahne auf.

Dem Kassenbuch nach zu urteilen wurde die Fahnenweihe mit einem großen Fest für die gesamte Pfarrgemeinde gefeiert. Die Ausgaben beliefen sich dabei insgesamt auf 1225,50 Mark. Dabei beliefen sich die Kosten auf die Fahne auf 584,40 Mark und die Ausgaben für die „Ausspeisung“ auf 414,52 Mark so dass letztendlich annähernd der Gegenwert der neuen Fahne verzehrt und vertrunken worden ist. Insgesamt stand damit für die Vereinskasse ein Minus von 246,50 Mark zu Buche. Bleibt zu hoffen, dass sich dies zum 125-jährigen Jubiläum des Vereins nicht wiederholen möge.

Bis zum Jahr 1900 sind keine weiteren Aufzeichnungen vorhanden, so dass anzunehmen ist, dass von der Gründung an Jakob Haug als erster Vorstand die Geschicke des Vereins geleitet hat. Am 10. Juni 1900 wurde dann Georg Witsch zum ersten Vorstand gewählt, der dieses Amt auch bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges innehatte. Das Amt des Schriftführers, Kassiers und 2. Vorstands übte Rasso Regel aus.

 

Die Aufzeichnungen und Jahresberichte bis Kriegsausbruch 1914 waren auf das notwendigste beschränkt und umfassen meist nur wenige Zeilen. Zu den wichtigsten Ereignissen jener Zeit zählen folgende Begebenheiten:

Bei der Generalversammlung am 24. November 1902 regte Pfarrer Berchthold die Errichtung eines Kriegerdenkmals in der Pfarrgemeinde an, „wo die Ausschussmitglieder und die Gemeindeverwaltung miteinander wirken sollen, dass es zustande komme; wo zum voraus sich schon drei Herren meldeten, mit milden Gaben – hoffen das Beste“.

Das Protokoll der Generalversammlung vom 22. November 1904 ließ sich scheinbar mit dem Satz „Die heutige Generalversammlung wird in herkömmlicher Weise abgehalten.“ zusammenfassen.

Auch sechs Jahre später am 21. November 1910 hält das Protokollbuch fest: „Der Veteranenjahrtag wird unterm heutigen abgehalten – keine besonderen Erinnerungen. 67 Mitglieder und 7 Musiker sind anwesend.“

Über den Veteranenjahrtag am 18. November 1912 wusste der Chronist zu berichten: „Der Veteranenjahrtag wurde heute abgehalten, wo Neuwahl stattfand – aber durch Aklamation wieder die alten gewählt wurden. Sonst gab es nichts Neues; als das zwei Mitglieder gestorben sind.“

Die vorerst letzte Eintragung jener Tage datiert vom 23. November 1914 – der erste Weltkrieg war bereits ausgebrochen. 70 Mitglieder hatten sich zum Veteranenjahrtag eingefunden. Es wurde ein Trauerband für die Vereinsfahne zum Preis von 16,50 Mark angeschafft.

Auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs 1914/18 taten insgesamt 98 Mitglieder ihren Dienst fürs Vaterland, 38 davon mussten ihr noch junges Leben lassen, 3 Mitglieder blieben vermisst.


Nach Ende des 1. Weltkrieges blieb es zunächst ruhig um den Verein. Erst am 1. Dezember 1925 wurde wieder eine Generalversammlung einberufen und eine neue Vorstandschaft gewählt. Dabei wurde Franz Fischer zum 1. Vorstand gewählt, Max Hauser bekleidete das Amt des Schriftführers, Kassiers und 2. Vorstands. Die Fahnensektion bildeten Johann Fischer, Josef Ried und Martin Bucher. In den Ausschuss wurden Georg Schmid, Emil Jall, Pius Erhardsberger und Ludwig Ried gewählt.

Zudem wurde beschlossen, schnellstmöglich eine neue Vereinsfahne zu beschaffen. Bereits zwei Jahre später am 17. Juli 1927 konnte auch diese neue Fahne geweiht werden. Doch auch diese Fahnenweihe entwickelte sich zur finanziellen Belastung für den Verein. Chronist Max Hauser hielt damals fest: „Alle guten Versprechen seien ins Geldverlangen umgewandelt worden zum Schaden der Vereinskasse. Die Vereinskasse hat einen Schuldenstand von 450 Mark.“

Am 13. September 1930 legte Vorstand Fischer sein Amt aus persönlichen Gründen nieder, so dass sein Stellvertreter Hauser mit der Führung des Vereins beauftragt wurde. Dies wurde durch die Generalversammlung am 29. November bei den Neuwahlen bestätigt. Neuer Stellvertreter wurde Matthias Hindelang, die Ämter des Schriftführers und Kassier übernahm Remig Einsle.

Das Jahr 1933 wurde nicht nur zum Schicksalsjahr der Deutschen sondern auch für unseren Verein. Am 8. Dezember 1933 war der Vorstand gezwungen eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufen und den Mitgliedern, die dem Verein nach der Machtübernahme auferlegten Bestimmungen, vorzustellen. Doch damit konnten sich von den damals 130 Mitgliedern nur wenige einverstanden erklären, so dass am Ende der Versammlung lediglich 24 Mitglieder geblieben waren. So konnte eine Aufnahme zur S.A.-Reserve II nicht bestätigt werden.

 

Im Juli 1934 war der Verein deshalb abermals gezwungen eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufen, bei der Bezirksführer Bachtaler die Mitglieder nochmals „informierte“. Nun erklärten sich 39 mit den gegebenen Bestimmungen einverstanden, 10 Mitglieder melden sich zur S.A.-Reserve II. Der Verein wird von diesem Moment an unter dem Namen „Deutscher Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund) Soldaten- und Kriegerkameradschaft Aufkirch-Blonhofen“ geführt.

In den folgenden Jahren veränderte sich das Vereinsleben drastisch. Aus den General- und Vereinsversammlungen wurden Kameradschaftsappelle. Die Funktionsträger mussten an Schulungen mit deutlich militärischem Charakter teilnehmen. Auch die Neuwahlen 1938 hatten ihr Gesicht verändert. Den Vereinsmitgliedern blieb lediglich die neuen Funktionäre vorzuschlagen, die dann vom Bezirksverband bestimmt wurden.

Mit dem Jahr 1939 sollte in Europa und der Welt nichts mehr sein, wie zuvor. Bei Ausbruch des 2. Weltkriegs befanden sich bereits 23 Kameraden aus unserem Verein bei der Wehrmacht. Das erste Kriegsopfer, war der Flugzeugführer Johann Strobl am 10. Dezember 1939. – Es sollten ihm noch viele seiner Nachbarn, Freunde und Bekannten folgen.

Aus vielen Kriegstagebüchern, Erinnerungen und Niederschriften und der Kriegschronik können wir – die wir in 65 Jahren des Friedens in Mitteleuropa geboren und aufgewachsen sind – nur erahnen, welches Leid der 2. Weltkrieg über Europa gebracht hat, welche Entbehrungen, Schmerzen, Ängste die Soldaten im Krieg erleiden mussten.

Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte dazu in seiner Gedenkrede zum 40. Jahrestag des Endes des 2. Weltkriegs:

„Neben dem unübersehbar großen Heer der Toten erhebt sich ein Gebirge menschlichen Leids,
Leid um die Toten,
Leid durch Verwundung und Verkrüppelung,
Leid durch unmenschliche Zwangssterilisierung
Leid in Bombennächten,
Leid durch Flucht und Vertreibung, durch Vergewaltigung und Plünderung, durch Zwangsarbeit, durch Unrecht und Folter, durch Hunger und Not,
Leid durch Angst vor Verhaftung und Tod,
Leid durch Verlust all dessen, woran man irrend geglaubt und wofür man gearbeitet hat.“

Aus unserer Pfarrgemeinde sind 156 Männer in den Krieg ausgezogen - 77 haben ihre Heimat nicht mehr sehen dürfen.

Der 8. Mai 1945 symbolisiert heute nicht nur den Tag der Niederlage des dritten Reiches, das „Ende des Irrweges der deutschen Geschichte“, sondern wahrlich den Tag der Befreiung des deutschen Volkes.

Der Blick ging von dem dunklen Abgrund der Vergangenheit in eine ungewisse Zukunft, und so mussten auch die Menschen ihr Leben neu ordnen und sich aus den Trümmern der Vergangenheit ein neues Leben aufbauen.

Erst im Jahre 1949 fand man die Kraft einen Veteranenjahrtag ab zu halten, der allerdings schon in der Vorbereitung zu Scheitern drohte. Nur die Verbundenheit zu den nicht heim gekehrten Kameraden und deren Andenken machten den Gedenktag möglich.

Im Jahr 1951 wurde das Kriegerdenkmal in Aufkirch neu gestaltet. Bei der Finanzierung des Vorhabens zeigte sich die Bevölkerung der Gemeinden bei einer Haussammlung wieder einmal sehr großzügig.

Nur sechs Jahre später brachten die Bürger der Gemeinden wiederum 899,50 Mark für die Renovierung der Vereinsfahne aus dem Jahr 1927 auf, so dass die Kosten von 765 Mark mehr als gedeckt werden konnten.

Am 15. Mai 1964 erreichte den Verein die traurige Nachricht, dass er 1. Vorstand Hauser im Krankenhaus verstorben sei. Er wurde vom Verein in Helmishofen zu seiner letzten Ruhe gebettet. Der erst wenige Monate zuvor zum 2. Vorstand gewählte Josef Neubrand übernahm fortan das Amt des 1. Vorstandes.

Die dritte Vereinsfahne konnte am 20. Mai 1979 durch H.H. Pfarrer Josef Lutz in der Pfarrkirche in Aufkirch geweiht und an den Fähnrich übergeben werden. In einem Festzug marschierte man zu den Klängen der Musikkapelle Blonhofen ins Schützenheim zu einer gemeinsamen Feier. Und wieder einmal stellte die Bevölkerung ihre Verbundenheit zum Verein und ihren Gemeinsinn unter Beweis. Dem Kassenbuch aus dieser Zeit kann entnommen werden, dass durch die eingegangenen Spenden, die neue Fahne sowie die Fahnenbänder bezahlt, und noch 28,58 Mark übrig geblieben sind. Insgesamt konnten fast 10.000 Mark an Spenden verbucht werden.

Im Jahr 1984 übernahm Sebastian Sirch die Geschicke des Vereins und wurde zum
1. Vorstand gewählt.

In den folgenden Jahren wurde das Vereinsleben um zahlreiche Aktivitäten weit über die Gedenkarbeit hinaus erweitert. Auf Initiative der Vorstandschaft des Veteranen- und Soldatenverein Aufkirch-Blonhofen wurde im Jahr 1990 das noch heute bestehende und dieses Jahr schon zum 29. mal ausgeschriebene VG-Preisschafkopfen aus der Taufe gehoben. Zuvor fanden mehrere Radausflüge statt.

Im Jahr 1999 übergab Sebastian Sirch die Führung des Vereins in die Hände unseres 1. Vorstands Alois Huber.

Auch bei der notwendig gewordenen Renovierung der 1979 geweihten Fahne im Jahr 2002 bewiesen die Bürger der Gemeinde wiederum ihre Großzügigkeit. Insgesamt spendeten sie sage und schreibe 4858,38 Euro so dass die Kosten mehr als gedeckt werden konnten.

Im September 2004 trat unser Verein dann der Bayerischen Soldaten- und Kameradenvereinigung BKV bei.

Einen weiteren Meilenstein in der Vereinsgeschichte markieren der 10. und 11. Juni 2006 als eine kleine Delegation bei der Fa. Fischer im Schwarzwald unsere neue Vereinskleidung für Fahnenabordnung und Vorstandschaft aussuchte. Und manchmal ist eben auch der Weg das Ziel. So wurde die Fahrt zu einem erlebnisreichen Ausflug und unvergesslichen Erlebnis - auch wenn der Kauf eines Brautkleides für unseren Fähnrich ebenso wenig umgesetzt werden konnte, wie die Beschaffung von passenden Vereinssocken in Paris.

Am 11. November 2007 wurde Sebastian Sirch, der 15 Jahre als erster Vorstand und 8 Jahre als zweiter Vorstand tätig war zum Ehrenvorstand ernannt.  Im November 2008 konnten wir Herrn Pfarrer Josef Lutz zum Ehrenmitglied ernennen.

So kann der Veteranen- und Soldatenverein Aufkirch-Blonhofen heute auf eine
125-jährige Geschichte blicken, eine Geschichte mit leidvollen und traurigen Erinnerungen, gezeichnet auch von den Kameraden die auf den Schlachtfeldern zurückblieben, aber auch eine Geschichte die gekennzeichnet ist von einer breiten Unterstützung und Verbundenheit in der Bevölkerung.

Mit Stolz können wir auf unseren „alten“ – 125 Jahre alten – Verein und seine Vergangenheit blicken in dem Wissen dass er trotzdem jung geblieben ist, mit einem Durchschnittsalter seiner Mitglieder, das bei vielen Veteranenvereinen seines Gleichen sucht, einem Vereinsleben, das weit über den alljährlichen Veteranenjahrtag hinaus geht und jung genug um seinen 125. Geburtstag mit einem solchen Fest zu feiern.

Und so schließe ich in der Gewissheit, dass auch in weiteren 125 Jahren an das heutige Vereinsjubiläum erinnert werden wird, mit dem alten Wahlspruch:

„In Treue fest“

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